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Problembär Brüderle

Als Förderer der heimische Winzer sprach der neue Bundeswirtschaftsminister Rauber Brüderle folgenden Satz: "wer nicht trinkt, ist verdächtig." Bundesvorsitzender Helmut Krethe reagierte mit einem offenen Brief.   

                                                                                                     
                                                                                                                                           Oppenheim, 13.11.2009

  

Artikel „Problembär Brüderle“ in der Allgemeinen Zeitung Mainz , Seite 4, vom 12.11.2009

Offener Brief

  

Sehr geehrter Herr Bundesminister Brüderle,

 

in dem o.a. Zeitungsartikel werden Sie hinsichtlich Ihrem Image als Förderer der heimischen Winzer wie folgt wörtlich zitiert: „Wer nichts trinkt, ist verdächtig.“ Auch in Online-Publikationen ist dieses Zitat zu finden.

 

Die Guttempler sind eine Gemeinschaft bewusst alkohol- und drogenfrei lebender Menschen. Unsere Mitglieder haben als Betroffene bzw. Mitbetroffene leidvolle Erfahrungen mit der Droge Alkohol machen müssen. Beeinträchtigungen im Familienleben, der Verlust des Arbeitsplatzes, der körperliche Kontrollverlust durch Alkoholmissbrauch war für den überwiegenden Teil unserer Mitglieder Motivation, dieses Leben zu verändern und ein neues Leben frei von Alkohol oder anderer Drogen zu beginnen.

 

Es gibt in unserer Organisation mit bundesweit mehr als 6.000 Mitgliedern unzählige Beispiele dafür, dass alkoholkranke Menschen mit Hilfe unserer ehrenamtlich tätigen Mitglieder in den örtlichen Guttempler-Gemeinschaften wieder festen Halt gefunden haben mit positiven Auswirkungen für die eigene Persönlichkeit, für das Familienleben und auch für das Berufsleben. Es sind keine Einzelfälle, dass Guttemplern in der Arbeitswelt Vertrauensstellungen mit hoher Verantwortung übertragen werden. Dies geschieht deshalb, weil auf diese Menschen Verlass ist. Sie sind unverdächtig, verantwortungslos zu sein.

Gleiches gilt sicher auch für Mitglieder anderer Alkohol-Abstinenzorganisationen.

 

Auch in Ihrem Heimatbundesland Rheinland-Pfalz sind die Guttempler ein Aktivposten in der landesweiten Aufklärung über Wirkung und Gefahren des Alkohols, der Medikamente und sonstiger Drogen. Sie kümmern sich ehrenamtlich um Menschen, die Probleme mit diesen Drogen haben. Die Arbeit der Guttempler auch in Rheinland-Pfalz wird u.a. von Ministerpräsident Beck, Innenminister Bruch und der Gesundheitsministerin Dreyer immer wieder lobend erwähnt.

 

Ihr genanntes Zitat „Wer nichts trinkt, ist verdächtig“ ist völlig deplaziert. Sie leisten damit gerade Vorschub insbesondere für Jugendliche, die ein solches Zitat, dazu noch von einem Bundesminister, verstärkt dafür nutzen können, z.B. zum so genannten „Komasaufen“ aufzurufen.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an das Schicksal eines siebenjährigen Kindes vor wenigen Tagen in Berlin, welches mit einem Blutalkoholgehalt von 2,0 Promille aufgefunden und in buchstäblich letzter Sekunde gerettet werden konnte. Nach bisherigen behördlichen Ermittlungen sollen Jugendliche dieses Kind zum unkontrollierten Genuss von Alkohol angestiftet oder sogar genötigt haben.

Ich erinnere an den Tod eines Jugendlichen vor einem Jahr, ebenfalls in Berlin, welches durch Komasaufen zu Tode kam.

 

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Guttempler und Mitglieder anderer Alkohol-Abstinenzorganisationen  in verkehrspolizeilich durchgeführte Alkoholkontrollen unverdächtig sind.

 

Als Bundesminister und somit einer der führenden Repräsentanten dieses Staates stehen Sie im Focus der Öffentlichkeit. Ich wünsche mir von Ihnen, dass Sie in Ihren künftigen Statements sensibler agieren.

  

Mit freundlichem Gruß

 

Helmut   K r e t h e

Bundes- und Landesvorsitzender